Eine natürliche Ethik als Weiterschreiten in der Evolution

Obschon in den vier Millionen Jahren planetarer menschlicher Existenz manch große Geister wirkten, konnten doch jene die Menschheit nicht derart nachhaltig zu ethischerem und verantwortungsvollerem Verhalten gegenüber Schöpfung und Geschöpfen bewegen, dass ein solches im Laufe unzähliger Generationen in die menschliche Spezies einmutiert wäre. Diese Tatsache verleitet zu jener Schlussfolgerung, dass ethisches Verhalten keine von „der Natur“ beabsichtigte Verbesserung sein könne.

Viel mehr ist das seit Anbeginn praktizierte und erprobte „Recht des Stärkeren“, das so genannte „Faustrecht“, maßgeblich und infolge dessen scheinbar auch „natürlich“. Mitgefühl und Erbarmen mit den Schwächeren, Wehrlosen, ja mit ausnahmslos allen Wesen war stets nur Sache einiger Weniger, welchen auf Grund ihrer Haltung überwiegend die Rolle des „Außenseiters“ oder belächelten „Weltfremdlings“ zugedacht wurde und wird.

Mitgefühl mit jeglicher Kreatur scheint in unserer gegenwärtigen egomanischen Gesellschaft weniger gefragt zu sein denn je, ja so etwas wie einen (eigen-)existenzbedrohenden Anruch zu suggerieren. Menschen mit ausgeprägtem und vor allem handelndem Mitgefühl auch gegenüber anderen Spezies außer der eigenen werden viel zu oft mit Bezeichnungen wie „radikal“ oder „dogmatisch“ abgeurteilt, von einer mehrheitlichen Gesellschaft, welche bemüht scheint, ihre Ignoranz gegenüber Würde, Leidensfähigkeit und Grundrecht auf Leben jeglicher Kreatur zu kultivieren, um ihre eigene lebensverachtende und ausbeuterische Rolle nur ja nicht hinterfragen geschweige denn überdenken und korrigieren zu müssen.

Menschen, die auf Grund ihrer ethischen Lebensweise und Überzeugung auf die Barrikaden steigen, um mit Nachdruck wenn auch noch so friedlich ihre Haltung zur Diskussion zu stellen, werden nicht selten als „alternative SpinnerInnen“, „BesserwisserInnen“ oder gar „TerroristInnen“ bezeichnet. Sie sollen, an den Rand einer nicht einmal die eigene Spezies respektierende Gesellschaft gedrängt, ein „toleriertes“ AußenseiterInnendasein fristen und möglichst niemanden mit ihrem Denken und Handeln belästigen.

Warum setzt sich ein nachhaltig und vorausblickend achtsames, von Verantwortungsgefühl gegenüber diesem Planeten wie all seinen Geschöpfen geprägtes Verhalten nicht und nicht durch, obwohl die allein vom Menschen verursachte globale Überlastung ein immer bedrohlicheres Ausmaß annimmt? Dies ist eine Frage, die zu stellen weitgehend unerwünscht ist, rüttelt sie doch am althergebrachten, „traditionell“ gewordenen und unhinterfragt erstarrten Gewohnheitsrecht des „Stärkeren“.

Alle Wesen, ob nun der Spezies Mensch angehörend oder nicht, gehen von der Tatsache ihrer physischen Existenz als Realität aus. Alle Wesen sind im Grundprinzip gleich geschaffen: Sie besitzen einen Körper mit Kopf und Gliedmaßen sowie diversen inneren Organen, ein Gehirn, Augen und verschiedene Sinne. Alle, auch die pflanzlichen Existenzen, sind positiven wie negativen Erfahrungen unterworfen, haben angenehme wie auch unangenehme Empfindungen. Alle streben ausnahmslos Zustände an, welche sie als angenehm, förderlich, glücksbringend empfinden, und alle, die Gattung Mensch inbegriffen, streben nach steter Verbesserung ihrer wie auch immer gearteten Lebenssituation, auch wenn dadurch andere Geschöpfe Schaden erleiden mögen. Insbesondere der Mensch, der die Freiheit der Wahl hat, bei der Mehrung seiner Glückszustände die Schädigung anderer Wesen möglichst gering zu halten, verdient das traurige Prädikat des Schadenverursachers Nummer eins auf diesem Planeten, auch wenn er nach wie vor glaubt, sich selbst „Krone der Schöpfung“ nennen zu müssen.

Auf Grund der rasanten technologischen Entwicklung vor allem des letzten Jahrhunderts, die jedoch nicht unbedingt als Gradmesser der gesamtmenschlichen Entwicklung schlechthin missverstanden werden sollte, hat sich das planetare Ausbeutungs- und Zerstörungspotential der menschlichen Gesellschaft um ein Vielfaches erhöht, und es scheint, als ob mensch im Laufe seiner Jahrmillionen währenden Entwicklung herzlich wenig begriffen hat, was Gesamtzusammenhänge sowie die Achtung vor allen Daseinsformen anlangt.

Wieviel Zeit die Spezies Mensch beziehungsweise Geduld die Schöpfung mit dem Menschen noch hat, ist ungewiss. Gewiss ist aber, dass es für die/den Einzelnen niemals zu spät sein kann und darf, nachzudenken beginnen und ihr/sein Verhalten im Hinblick auf das eigene ebenso wie auch das Wohlergehen anderer Wesen zu ändern. © Christine Götz

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